KYFFHÄUSER, HAINLEITE, SCHMÜCKE, HOHE SCHRECKE  und WINDLEITE


Trüffelanbau im Kyffhäuserkreis – hier begann der Thüringer Weg zur Trüffelkultur

Entwicklung des Trüffelanbaus und der Trüffelbaumschule in Schönewerda im Kyffhäuserkreis



Von der Pilzzucht zur Trüffelregion



Im Kyffhäuserkreis liegt die Keimzelle des modernen Thüringer Trüffelanbaus. In Schönewerda begann eine Entwicklung, die von ersten Versuchen mit Kulturpilzen über eigene Forschungs- und Musterplantagen bis zur Produktion von Trüffelbäumchen und ersten Trüffelernten führte.


Ausgangspunkt war die Beschäftigung von Anja Kolbe-Nelde mit Pilzen. Nach Pilzseminaren entstanden zunächst Kulturen holzbewohnender Speisepilze wie Shiitake, Stockschwämmchen sowie Rosen-, Limonen- und Austernseitlinge.


Gleichzeitig wurde Schönewerda früh zum Treffpunkt für Trüffelanbauinteressierte. Bereits vor dem Ausbau zur Trüffelbaumschule fanden hier mehrfach Aus- und  Weiterbildungsveranstaltungen der Forschungsgruppe Hypogäen zum Trüffelanbau statt.


Aus Wissen, Beobachtung und praktischen Versuchen entwickelte sich Schritt für Schritt das heutige Trüffelprojekt.



Schönewerda – von den ersten Versuchen zur Trüffelbaumschule

Pilze lassen sich nicht verstehen, wenn man sie gedanklich wie Pflanzen behandelt. Diese Erkenntnis wurde für die weitere Entwicklung entscheidend.

Anja Kolbe-Nelde vertiefte deshalb über Jahre ihre Pilzkenntnisse. Ab 2013 nahm sie an Schulungen der Deutschen Pilzschule teil und qualifizierte sich weiter bis zur Pilzberaterin, Pilzsachverständigen und Trüffelberaterin.

Parallel dazu wurde Jette für die Trüffelsuche ausgebildet. Bereits im Alter von 16 Wochen zeigte sie ihre ersten wild wachsenden Trüffeln an.

Aus Theorie wurde zunehmend Praxis – und aus einzelnen Beobachtungen entstand die Idee, Trüffeln nicht nur zu suchen, sondern ihre Lebensbedingungen gezielt für den Anbau zu nutzen

2019: Die erste Versuchs- und Musterplantage entsteht

2019 wurde mitten in Schönewerda die erste dreigeteilte Versuchs- und Musterplantage angelegt.

2020 folgte die zweite Anlage, 2021 eine dritte. Dabei kamen zunehmend selbst mykorrhizierte und herangezogene Trüffelbäumchen zum Einsatz.

Die zeitliche Staffelung der drei Anlagen war besonders wertvoll. Statt nur eine Plantage gleichen Alters beobachten zu können, stehen Jahr für Jahr Kulturen unterschiedlicher Entwicklungsstufen zur Verfügung.

So lassen sich Erfahrungen über Anwachsphase, Mykorrhizaentwicklung, Bodenpflege, Bewässerung, Kultursteuerung und später die Fruchtkörperbildung unmittelbar in der Praxis sammeln.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen theoretischem Wissen über Trüffelanbau und eigener mehrjähriger Produktionserfahrung.

Drei Plantagen – drei Altersstufen – ein Lernsystem

Die Anlagen dienen deshalb nicht allein der Trüffelproduktion. Sie sind zugleich Versuchs-, Demonstrations- und Ausbildungsflächen.


Von der Plantage zum Forschungsstandort


Bei der dritten Musterplantage wurde die Zusammenarbeit um wissenschaftliche Untersuchungen erweitert. Gemeinsam mit der Universität Jena wurden Fragestellungen rund um das Mikrobiom in die Untersuchungen einbezogen.

Das ist für die Weiterentwicklung des Trüffelanbaus von besonderem Interesse. Denn eine Trüffel lebt im Boden keineswegs allein.

Bakterien, andere Pilze und zahlreiche weitere Bodenorganismen bilden komplexe Lebensgemeinschaften. Welche Wechselwirkungen die Entwicklung einer Trüffelkultur fördern oder behindern, gehört zu den wichtigen Forschungsfragen eines modernen Trüffelanbaus.

Bildvorschlag: Bodenprobenahme bzw. wissenschaftliche Arbeiten innerhalb einer Trüffelplantage.


Juli 2024:
Die Prognose bestätigt sich

Dann kam der Moment, auf den mehrere Jahre hingearbeitet worden war.

Im Juli 2024 konnten auf der ersten Schönewerdaer Anlage im fünften Standjahr die ersten Trüffeln nachgewiesen werden.

Der frühe Produktionsbeginn war zuvor von der Forschungsgruppe Hypogäen erwartet worden.

Noch bemerkenswerter entwickelte sich die zweite Anlage: Dort erschienen bereits im vierten Standjahr erste Trüffeln. Auch auf der dritten Anlage gelang ein entsprechend früher Nachweis.

Diese Ergebnisse sind für die weitere Kulturführung besonders wertvoll. Sie erlauben den Vergleich unterschiedlicher Anlagen, Baumpartner und Maßnahmen unter realen Bedingungen.

Frühe Ernten auf diesen Anlagen sind Erfahrungswerte und keine Ertragsgarantie für andere Standorte.

Standort, Anbaukonzept, Pflanzmaterial, Witterung und Kulturführung bestimmen wesentlich mit, wann eine Trüffelkultur zu produzieren beginnt.


Nicht nur Schönewerda:
Weitere Anlagen beginnen zu produzieren

Die Entwicklung beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf die Schönewerdaer Versuchsflächen.

Auch Andrea Koch konnte sich über einen frühen Produktionsbeginn ihrer Trüffelgarten-Anlage im Raum Kelbra freuen. Im fünften Standjahr wurden dort erste Trüffeln nachgewiesen.

Ein weiteres ungewöhnliches Beispiel befindet sich in Roßleben. Die dortige Trüffelkultur entstand auf einer ehemaligen Ablagerungsfläche einer Großgärtnerei aus DDR-Zeiten. Bei der erstmaligen Kontrolle im sechsten Jahr konnte auch dort der Produktionsbeginn festgestellt werden.

Gerade solche unterschiedlichen Standorte sind für die weitere Forschung wertvoll: Sie helfen immer besser zu verstehen, welche Standort- und Kulturfaktoren für die Entwicklung einer produktiven Trüffelkultur tatsächlich entscheidend sind.


Burgundertrüffeln mitten in Bad Frankenhausen

Dass der Kyffhäuserkreis auch natürliche Trüffelstandorte besitzt, zeigte sich eindrucksvoll bei Dreharbeiten in Bad Frankenhausen.

Für einen Fernsehbeitrag sollte die Trüffelsuche ausdrücklich innerhalb der Stadt stattfinden. Das Suchgebiet wurde deshalb vorab anhand geologischer und topografischer Informationen ausgewählt.

Die Prognose bestätigte sich: Im ausgewählten Gebiet konnten unmittelbar Burgundertrüffeln gefunden werden.

Anschließend wurde gezielt das Umfeld des Panorama Museums untersucht. Bereits am Rand des Parkplatzes gelang ein weiterer Trüffelnachweis.

Das Beispiel zeigt einen wichtigen Grundsatz unserer Forschungsarbeit:

Wer die Lebensbedingungen eines Pilzes versteht, kann die Suche wesentlich gezielter durchführen.

Können Parkplätze Trüffelstandorte sein?

Der Fund am Panorama Museum ist keineswegs so ungewöhnlich, wie er zunächst erscheint.

Der Forschungsgruppe Hypogäen sind aus mehreren Bundesländern ältere Parkplätze und deren Randbereiche in kalkgeprägten Regionen als Trüffelstandorte bekannt.

Wie Trüffeln solche Standorte besiedeln, ist eine spannende Forschungsfrage. Als einen möglichen Verbreitungsweg diskutieren wir Tiere.

Eine Hypothese betrifft Hunde: Sie könnten andernorts unbemerkt Trüffelfruchtkörper aufnehmen und die widerstandsfähigen Sporen später an einem anderen Ort wieder ausscheiden.

Das ist eine interessante Arbeitshypothese – aber keine abschließend bewiesene Erklärung. Gerade deshalb sind wiederkehrende Beobachtungen an solchen ungewöhnlichen Fundstellen wissenschaftlich interessant.

Wenn ein Zehnjähriger im Garten Trüffeln entdeckt

Manchmal beginnt Forschung nicht mit einer gezielten Exkursion, sondern mit einem aufmerksamen Gartenbesitzer.

In Wiehe entdeckte ein zehnjähriger Junge bei Gartenarbeiten unter einem älteren Haselnussstrauch unterirdische Pilzfruchtkörper.

Solche Meldungen sind für die Kartierung heimischer Trüffel wertvoll. Denn geeignete Ektomykorrhizapartner wachsen nicht nur in Wäldern. Alte Haseln, Linden, Eichen, Buchen und andere geeignete Gehölze können auch in Gärten und Parks Lebensräume für unterschiedliche Trüffelarten bieten.

Trüffel im eigenen Garten gefunden?

Unbekannte unterirdische Pilze nicht vorschnell entsorgen. Fundort, Baumart und Fundumstände dokumentieren – denn auch ein Gartenfund kann für die Erforschung der heimischen Trüffelverbreitung interessant sein.

im trüffelanbau macht uns keiner was vor

Trüffelanbau dort kennenlernen, wo in Thüringen seit Jahren geforscht, ausprobiert und produziert wird.

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Trüffelbäumchen aus Thüringen

Die Erfahrungen aus Schönewerda zeigen, warum die Qualität eines Trüffelbäumchens nicht allein nach Größe und Aussehen beurteilt werden sollte.

Entscheidend ist das, was sich an seinen Wurzeln entwickelt hat.

Ziel ist eine möglichst gut etablierte Mykorrhiza des gewünschten Trüffelpilzes mit einem geeigneten Baumpartner. Nach der Auspflanzung muss sich daraus im Boden eine dauerhaft lebensfähige und schließlich fruktifizierende Trüffelkultur entwickeln.

Deshalb gehören Pflanzmaterial, Standort und spätere Kulturführung zusammen.








Trüffelbäumchen kaufen – passend zum Standort und Anbauziel

Trüffelanbau nach dem Thüringer Modell®

Die in Schönewerda über mehrere Jahre gewonnenen Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung des Thüringer Modell® ein.

Im Mittelpunkt steht nicht das bloße Pflanzen mykorrhizierter Bäume, sondern die gezielte Etablierung einer Trüffelkultur mit dem notwendigen Baumpartner.

Standortprüfung, Bodenmanagement, Pflanzmaterial, Pflanzabstände, Wasserversorgung, Kontrolle der Mykorrhiza, Kulturpflege, Hundetraining und Erntemanagement werden deshalb als zusammenhängendes System betrachtet.

Die zeitlich gestaffelten Musterplantagen ermöglichen dabei etwas besonders Wertvolles: Maßnahmen können nicht nur theoretisch empfohlen, sondern in unterschiedlichen Entwicklungsstadien praktisch beobachtet und weiterentwickelt werden.
Trüffelanbau professionell planen

Frische Burgundertrüffeln aus dem Kyffhäuserkreis und Thüringen

Mit dem Produktionsbeginn der ersten Anlagen verändert sich auch die regionale Vermarktung.

Aus dem Zukunftsversprechen „Hier könnten einmal Trüffeln wachsen“ wird schrittweise ein tatsächlich erzeugtes Thüringer Lebensmittel.

Für Restaurants, Hotels, Hofläden, touristische Einrichtungen und Privatkunden eröffnet das die Möglichkeit, frische Burgundertrüffeln aus Thüringer Produktion zu verwenden.

Gerade der Kyffhäuser mit Bad Frankenhausen, Kyffhäuserdenkmal und weiteren touristischen Zielen bietet gute Voraussetzungen, Trüffelanbau, regionale Küche und Tourismus miteinander zu verbinden.





Frische Burgundertrüffeln aus Thüringen kaufen

Häufige Fragen zum Trüffelanbau im Kyffhäuserkreis

  • Gibt es im Kyffhäuserkreis wild wachsende Burgundertrüffeln?

    Ja. Eigene Untersuchungen haben natürliche Trüffelvorkommen an unterschiedlichen Standorten bestätigt. Besonders anschaulich waren Nachweise innerhalb von Bad Frankenhausen und im Umfeld des Panorama Museums.

  • Warum ist Schönewerda für den Thüringer Trüffelanbau wichtig?

    Hier entstanden ab 2019 zeitlich gestaffelte Versuchs- und Musterplantagen. Sie ermöglichen praktische Untersuchungen von der Etablierung der Trüffelkultur bis zum Produktionsbeginn. Gleichzeitig entwickelte sich am Standort die Produktion mykorrhizierter Trüffelbäumchen.

  • Wann wurden in Schönewerda erstmals Trüffeln geerntet?

    Auf der 2019 angelegten ersten Musterplantage wurden im Juli 2024, also im fünften Standjahr, erste Trüffeln nachgewiesen. Auf weiteren Anlagen gelang der Nachweis bereits im vierten Standjahr.

  • Kann eine Trüffelplantage schon nach vier oder fünf Jahren produzieren?

    Die Anlagen in Schönewerda zeigen, dass ein solcher früher Produktionsbeginn möglich ist. Daraus lässt sich jedoch keine Garantie ableiten. Standort, Pflanzmaterial, Klima, Wasserversorgung und Kulturführung beeinflussen die Entwicklung.

  • Welche Trüffelbäume eignen sich für den Kyffhäuserkreis?

    Das hängt vom konkreten Standort ab. Verschiedene Eichen, Hasel, Hainbuche, Buche, Linde und weitere Ektomykorrhizapartner können infrage kommen. Die Auswahl sollte Bestandteil der Standort- und Anlagenplanung sein.

  • Kann ich auch in meinem Garten Trüffeln anbauen?

    Ja, sofern die Standortbedingungen passen. Auch kleinere Trüffelgärten und Trüffelhecken sind möglich. Der Gartenfund bei Wiehe zeigt außerdem, dass Trüffeln unter geeigneten Gehölzen durchaus natürlich in Siedlungsbereichen vorkommen können.

  • Warum findet man Trüffeln sogar an Parkplätzen?

    Trüffeln benötigen keinen Wald, sondern geeignete Bodenbedingungen und Ektomykorrhizapartner. Deshalb können ältere Grünstrukturen an Parkplätzen ebenfalls geeignete Lebensräume darstellen

  • Muss eine Trüffelplantage bewässert werden?

    Wildtrüffeln wachsen ohne künstliche Bewässerung. Wirtschaftlicher Trüffelanbau verfolgt jedoch das Ziel möglichst regelmäßiger Erträge. Deshalb sollte eine bedarfsgerechte Wasserversorgung bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

  • Sollte ich zuerst Trüffelbäumchen kaufen oder meinen Boden untersuchen lassen?

    Zuerst sollte der Standort beurteilt werden. Danach können geeignete Trüffel-Baum-Kombinationen und das passende Kulturverfahren ausgewählt werden.

  • Kann man Trüffelanbau im Kyffhäuserkreis besichtigen?

    Die Musteranlagen und Informationstafeln in Schönewerda bieten bereits Möglichkeiten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Ausbau Schönewerdas zum „Trüffeldorf“ soll dieses Informationsangebot weiterentwickeln.

  • Wann sollte ein Trüffelhund ausgebildet werden?


    Bei einer professionellen Anlage sollte die Hundeausbildung frühzeitig eingeplant werden. Wir empfehlen, spätestens ab dem dritten Standjahr auf der eigenen Plantage zu trainieren, damit zum möglichen Produktionsbeginn ein eingespieltes Suchteam zur Verfügung steht.

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